Nichts – außer einem hartnäckigen Mythos, demzufolge er in den Bordellen von Buenos Aires entstanden sei. Die Wahrheit ist komplexer und weit interessanter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts formte sich in den ärmeren Vierteln von Buenos Aires jener gesellschaftliche Tanz, den wir heute als Tango kennen. Im Hafenviertel La Boca trafen Gauchos aus den weiten Pampas auf Einwanderer aus Europa und auf Menschen afrikanischer Herkunft. Aus afrikanischen Rhythmen, kreolischen Bewegungen und gemeinsamen Erfahrungen der Entwurzelung entstand ein Tanz voller Leidenschaft, Melancholie und Stolz – geboren in Hinterhöfen, Mietskasernen und einfachen Tanzlokalen eines städtischen Milieus, in dem es zwar auch Bordelle gab, die jedoch nicht seinen Ursprung bildeten. Der starke Männerüberschuss jener Zeit führte zu einem spürbaren Mangel an Frauen. Wer ihre Nähe suchte, konnte entweder tanzen – oder bezahlen. Vor den Bordellen bildeten sich Warteschlangen. Um die wartenden Männer ...
Nichts – außer einem hartnäckigen Mythos, demzufolge er in den Bordellen von Buenos Aires entstanden sei. Die Wahrheit ist komplexer und weit interessanter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts formte sich in den ärmeren Vierteln von Buenos Aires jener gesellschaftliche Tanz, den wir heute als Tango kennen. Im Hafenviertel La Boca trafen Gauchos aus den weiten Pampas auf Einwanderer aus Europa und auf Menschen afrikanischer Herkunft. Aus afrikanischen Rhythmen, kreolischen Bewegungen und gemeinsamen Erfahrungen der Entwurzelung entstand ein Tanz voller Leidenschaft, Melancholie und Stolz – geboren in Hinterhöfen, Mietskasernen und einfachen Tanzlokalen eines städtischen Milieus, in dem es zwar auch Bordelle gab, die jedoch nicht seinen Ursprung bildeten. Der starke Männerüberschuss jener Zeit führte zu einem spürbaren Mangel an Frauen. Wer ihre Nähe suchte, konnte entweder tanzen – oder bezahlen. Vor den Bordellen bildeten sich Warteschlangen. Um die wartenden Männer ...