"Bewegt den Schwerpunkt eures Körpers im Raum. Achtet auf euer Zentrum, nicht auf die Schritte!" Das hören wir oft von unserem Trainer. Man soll Bewegung tanzen, nicht bloß Schritte ausführen. Werden Schritte isoliert gesetzt, entsteht kein Schwung; der Tanz wirkt nicht fließend, sondern gestelzt. Erstaunlicherweise formuliert Heinrich von Kleist in seiner essayistischen Erzählung „Über das Marionettentheater“ (1810) einen Gedanken, der diesem Prinzip sehr nahekommt. Marionetten, so lässt er seinen Tänzer Herrn C. erklären, seien menschlichen Tänzern in ihrer Anmut überlegen. Der Puppenspieler lenkt den Schwerpunkt der Puppe; ihre Glieder folgen dieser Bewegung nach den Gesetzen der Mechanik. Da die Marionetten kein Bewusstsein besitzen, können sie ihre Bewegungen auch nicht absichtlich „verschönern“ oder sich zieren – und gerade darin liegt ihre Grazie. Die Marionetten berühren den Boden nur, so Kleist, um den Schwung der G...
Betrachtungen zum Tanzsport