Vor einem Turnier wird von Freunden und Bekannten gewünscht, dass man „viel Spaß“ haben solle. Spricht man mit anderen Turnierteilnehmern während des Turniers, hört man: Hauptsache „wir haben Spaß“ – besonders laut hört man das, wenn das Abschneiden nicht das gewünschte ist. Machen wir uns da was vor mit dem „Spaß haben“?
Während des Turniers geht man ja durchaus an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit, wie das wohl bei allen sportlichen Wettbewerben der Fall ist. (Die extreme Situation mit dem eingeschlafenen Tänzer im Foto ist während eines Tanzmarathons in den USA zu Zeiten der Grossen Depression aufgenommen worden.) Empfindet man dabei Vergnügen oder Spaß? Wohl eher nicht. Wie ist es nach dem Turnier, wenn man Erfolg hatte, ein selbst gestecktes Ziel oder gar einen Treppchenplatz erreicht hat? Das macht Spaß!
Wir können das auch schon bei Aristoteles nachlesen, nämlich, dass die Freude an einer Tätigkeit mit deren gelungener Ausübung zusammenhängt: Je vollkommener die Tätigkeit, desto größer kann die mit ihr verbundene Lust sein (Aristoteles, Nikomachische Ethik, X, 4, 1174b–1175a).
Es ist also nicht so, dass Tanzen angenehm oder mühelos ist. Die Freude und der Spaß liegen im Gelingen. Das kann ein Turniererfolg sein, aber genauso gut eine Situation im Training, wenn man z. B. nach wochenlangem Üben einer Bewegungsfolge urplötzlich das Gefühl hat, dass die beiden Körper etwas verstanden haben, wenn man das Gefühl hat: So ist es richtig. Das macht Spaß, deshalb trainieren wir.
Der eingangs erwähnte Wunsch vor einem Turnier, man möge viel Spaß haben, lässt sich also ganz leicht übersetzen, nämlich in „viel Erfolg“ oder „gutes Gelingen“.
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